Conquering Frontiers Stories

Grenzen sind dazu da, um überwunden zu werden


Aufbruch in eine neue Ära

Der erste Uhrmacher seiner Familie

Das in die kargen Hügelzüge des schweizerischen Juras eingebettete Le Locle ist hauptsächlich landwirtschaftlich geprägt, als der knapp 16-Jährige Abraham Favre im März 1718 seinen Lehrvertrag unterzeichnet. Bei Daniel Gagnebin will er als erster seiner Familie das Uhrmacherhandwerk erlernen.

Was in dem überlieferten Vertrag zu lesen ist, erstaunt: Der Lehrmeister erklärt sich bereit, während drei Jahren seinem Schüler treu und redlich alles beizubringen, was er selber über die Uhrmacherei weiss. Im Gegenzug verpflichtet sich Abraham Favre, ihm im eigenen Haus in La Chaux-de-Fonds ein Zimmer zur Verfügung zu stellen. Dieses nicht nur mit allem Notwendigen auszustatten – Bett, Stuhl, Tisch, Tischtücher und Kerzen dürfen dabei nicht fehlen –, sondern es auch regelmässig zu reinigen sowie für das Holz zur Heizung in den langen, harten Wintern zu sorgen. Ausserdem gehört zum Pflichtenheft des Auszubildenden, Gagnebins Bett zu machen, dessen Kleidung zu waschen sowie regelmässig die Schuhe des Uhrmachermeisters zu putzen und einzufetten. Für die gemeinsame Arbeit hatte der Lehrling auch ein kleines Atelier einzurichten und das notwendige Werkzeug und Material zu beschaffen. Anspruch auf die durch Gagnebin geleistete Arbeit konnte Abraham Favre ausdrücklich keinen erheben.

Das Lehrverhältnis war von Erfolg gekrönt: 1737 wird Abraham Favre erstmals offiziell in Le Locle als selbständiger Uhrmachermeister erwähnt und um 1747 ehrenvoll zum «Maître horloger du Locle» ernannt. Mit seiner Uhrmacherwerkstatt legt er den Grundstein für ein florierendes Familienunternehmen sowie die Marke Favre-Leuba.


Die Wetterstation am Handgelenk

Walter Bonatti und Michel Vaucher mit ihrer Bivouac

Früher Morgen des 7. August 1964. Zwei Alpinisten befinden sich mitten in der fast lotrechten, meist von Eis bedeckten Nordwand der Pointe Whymper in den Grandes Jorasses. Bisher hat noch keiner den schwierigen Gipfel über diese schier unmöglich scheinende Route bezwungen.

Es herrschen frostige Temperaturen. Immer wieder stürzen Steine donnernd an den Bergsteigern vorbei ins Bodenlose. Wolken ziehen auf. Weitergehen oder vorzeitig abbrechen? Viel steht auf dem Spiel – nicht allein der Erfolg der geplanten Erstbesteigung, sondern vor allem das Überleben der beiden Männer. Ihre Armbanduhren zeigen ihnen dank dem integrierten Barometer nicht nur die bereits erreichte Höhe, sondern auch den bevorstehenden Wetterwechsel zuverlässig an. Aufgrund dieser wichtigen Information schlägt die Zweier-Seilschaft ein schützendes Lager auf und entgeht dadurch einem heftigen Schneesturm.

Zwei Tage später, am 9. August, gegen 18.00 Uhr, – immer noch bei widrigen Bedingungen, begleitet von Schnee und Wind – erreichen sie erschöpft, aber wohlbehalten den 4184 m hohen Gipfel. Einer der beiden Bergsteiger wird kurz danach in einem Brief schreiben: «Die letzte Etappe dieses Aufstiegs ist sicherlich etwas vom Schwierigsten, was man in den Alpen machen kann!» Die beiden Waghalsigen: der Genfer Bergführer Michel Vaucher und der italienische Alpinist Walter Bonatti. Ihre Uhr: die Bivouac von Favre-Leuba – die weltweit erste mechanische Armbanduhr mit einem Aneroidbarometer zur Höhen- und Druckmessung.